Intervalle der Vorsorgekoloskopie: Ein unterschätztes oder gerechtfertigtes Protokoll?

Keywords: Koloskopie, Darmkrebs, Vorsorge, Statistik, Risiko

 

Traditionell werden Vorsorgekoloskopien im Zehnjahres Intervall empfohlen. Diese Empfehlung beruft sich auf die statistische Wahrscheinlichkeit der Entwicklung bestimmter Abnormitäten im Darmbereich (Polypen, Tumore) innerhalb dieses Intervalls. 

Ich empfehle allerdings eine Vorsorgekoloskopie in einem 5-Jahres-Intervall, um rechtzeitig auch kleinere Veränderungen der Darmwandoberfläche zu detektieren, die sich in diesem Intervall entwickelt haben können und ggf. bei nicht ausreichender Vorbereitung des Darms übersehen werden.. 

 

Eine Vorsorgekoloskopie soll beispielsweise durch die Entfernung verdächtiger Schleimhautveränderungen (z. B. Polypen, Adenome) vor Darmkrebs schützen, indem diese Strukturen im Rahmen der Untersuchung entfernt werden. 

Trotz anderer Darmuntersuchungsmöglichkeiten (virtuelle Koloskopie durch MRT) bleibt die Koloskopie die effektivste Untersuchung zur Früherkennung atypischer Darmwandstrukturen (Adenome) und verhindert somit i. R. dieser Vorsorgeuntersuchung die Entwicklung kolorektaler Karzinome. 

 

Adenome und selbst kleinere Karzinome können übersehen werden, wenn die Patienten die Darmreinigung vor der Untersuchung nicht sorgfältig genug durchführen. Dies kann immer dann der Fall sein, wenn die Hinweise des Arztes im Vorgespräch nicht eindeutig befolgt werden. 

 

Die Folge ist dann, dass die Sensitivität (sensitivity) der Koloskopie als diagnostische Methode sinkt. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, vorhandene Abnormitäten als solche zu identifizieren, abnimmt. Wenn man von dieser Gefahr ausgeht, könnte ein höheres Untersuchungsintervall den negativen Konsequenzen einer solchen Ungenauigkeit entgegenwirken. 


Der Affektkrampf bei Kindern: Vorsorge, Sofortmaßnahmen und Ursachen

Keywords: Affektkrampf, Familienmedizin, Eltern

 

Viele Eltern kennen dieses Szenario: Ihr Kind weint oder schreit krampfhaft, wirft sich nach einiger Zeit auf den Boden, hält unfreiwillig seinen Atem an, läuft ein wenig blau an und verliert für einen kurzen Moment das Bewusstsein. Kurz nach diesem Anfall beginnt das Kind dann wieder zu atmen, steht auf und beruhigt sich schnell wieder. Solch ein so genannter Affektkrampf ist ein gutartiger paroxysmaler nicht-epileptischer Zustand, der sich bei gesunden Kindern im Alter von 6 bis 48 Monaten einstellen kann. Beinahe 5% der Kinder zeigen solche Episoden. 

 

Sie treten häufig in Folge eines Wutanfalles (temper tantrum) oder vereinzelt auch im Nachgang eines Sturzes oder anderer kleiner Verletzungen auf. Das Erleben von Frustration des Kindes spielt eine wichtige Rolle. Von diesen Auslösern aus kann es dann zu kurzzeitigem Atemstillstand, Zyanose (blau anlaufen) und Synkopen kurzzeitige Ohnmacht) kommen. Letztere begünstigen noch das ‘blau anlaufen’ der Haut des Kindes auf Grund der verminderten Sauerstoffversorgung des Gewebes. Affektkrämpfe sind normale und unbedenkliche Episoden, deren Auftreten normalerweise mit dem vierten Lebensjahr des Kindes abflaut. Vor diesem Zeitpunkt können die Episoden jährlich, monatlich aber auch wöchentlich auftreten. Trotzdem diese Episoden von vielen Eltern als ‘Aufmerksamkeit suchendes’ Verhalten angesehen werden, sind sie keineswegs absichtlich induziert, denn sie resultieren aus einem unfreiwilligen Reflex, über den das Kind keine Kontrolle hat. 

 

Was können wir als Eltern beim Auftreten von Affektkrämpfen tun? 

Als direkte Eingriffe im Falle eines Anfalls sind zwei Methoden vorzuschlagen: Erstens, das Vermeiden von Wutanfällen oder emotionalen Ausbrüchen zuvor. Da die meisten Affektkrämpfe Folge eines starken emotionalen und durch Frustration induzierten Affektes sind, lassen sich diese häufig durch gezielte Beruhigung des Kindes bei einem sich aufbauenden Wutanfall vermeiden. Zusätzlich kann es helfen gemeinsam mit dem Kind klare Routinen und Grenzen auszuarbeiten. Ein solch klar gezogener Rahmen kann die Konfrontation mit Wut und Frustration provozierenden Faktoren verringern.

 

Weiterhin lassen sich zwei langfristige Interventionen abbilden: Erstens, die Konsultation ihres Kinderarztes. Da einige Studien darauf hinweisen, dass Affektkrämpfe mit Eisenmangel im Blut verbunden sein können, lässt sich durch eine Abklärung der Blutwerte des Kindes durch den Kinderarzt eine solche Ursache ausschließen. Zweitens kann bei sehr häufigem Auftreten von Episoden durch ein EKG und ein EEG die eventuelle Belastung des Herzens oder das Vorliegen einer Epilepsie ausgeschlossen werden. Letztlich, hilft die Konsultation eines Ergotherapeuten, um dem Auftreten von Affektkrämpfen vorzubeugen.

In der Ergotherapie lernen Kinder mit ihrer Wut umzugehen und diese zu kontrollieren. Gemeinsam mit Eltern werden Rahmenbedingungen für einen frustrationsarmen Alltag geschaffen, der die Eltern bei der Vorbeugung von Affektkrämpfen unterstützt.


Alles, was man über die Darmspiegelung wissen muss

Keywords: Darmspiegelung, Koloskopie, Krebsvorsorge, Darmkrebs, Vorsorge

 

Die Darmspiegelung

 

  • Ist die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs 
  • Wird mit einem speziellen flexiblen Endoskop (dem Koloskop) durchgeführt
  • Wird unter einer leichten Narkose (Schlafspritze) bei ständiger Überwachung des Kreislaufs und der Sauerstoffsättigung durchgeführt
  • Ist eine sichere und komplikationsarme Untersuchung 

 

Mit einem Koloskop ist es möglich, das Innere des Dickdarms zu betrachten und auf Abnormitäten zu untersuchen. Liegt eine solche Schleimhautabnormität vor, ist es während der Koloskopie möglich, entweder Gewebeproben zu entnehmen oder diesen Bereich endoskopisch durch einen kleineren operativen Eingriff zu entfernen.

 

Darmkrebs ist eines der am häufigsten vorkommenden Krebserkrankungen in Westeuropa. Die Darmspiegelung ist die derzeit wichtigste und beste Untersuchung zur Früherkennung von Vorstufen von Darmkrebs. Auf Grund der hohen diagnostischen Genauigkeit lässt sich ein sehr großer Anteil dieser Erkrankung verhindern, wenn alle Menschen eines bestimmten Alters (ab 55 Jahre)  in einem regelmäßigen Untersuchungsintervall an Vorsorgekoloskopien teilnehmen würden.

Im Gegensatz zu anderen Untersuchungsmethoden zur Vorsorge von Krebs, wie z.B. beim Mammakarzinom die Mammografie, bei der man nur den ausgereiften Tumor erkennen kann, wird durch eine Darmspiegelung eine Untersuchung getätigt, die bereits Vorstufen, zum Beispiel Polypen oder Adenome, von krebsartigen Abnormitäten erkennen und rechtzeitig behandeln lässt. Die Entwicklung solcher Vorstufen zu Krebsgeschwüren dauert statistisch gesehen ca. 10 Jahre, weshalb dieser Zeitraum als Intervall für Vorsorgeuntersuchungen allgemein empfohlen wird.

 

Ein Endoskop ist ein röhren- oder schlauchförmiges, flexibles Gerät, das ermöglicht, ohne große Eingriffe ins Innere des Körpers zu schauen. Durch seine Ausstattung mit einer elektronischen Kamera lassen sich Bilder aus dem Inneren von Körperhöhlen oder Organen direkt auf einen Monitor übertragen. Mit Hilfe einer integrierten Lichtquelle und zusätzlichen elektronischen Geräten, lassen sich diese Bereiche ausleuchten und ggf. behandeln. Über einen Arbeitskanal kann der Arzt Instrumente wie Zangen oder Schlingen einführen. Auf Grund der Biegsamkeit des Instrumentes und seiner geringen Dicke (es ist nur fingerdick) ist es so beweglich, dass der Arzt den gesamten Dickdarm mit seiner beachtlichen Läge von etwa 130 cm  betrachten kann. Der Patient fühlt dabei gar nichts und schläft den gesunden Schlaf der Narkose. 

Die Narkose oder besser gesagt Sedierung lässt sich unter Beobachtung des Kreislaufs und der Sauerstoffsättigung so steuern, dass der Patient nach der Untersuchung komplett wach und orientiert ist und eine anschließende Ruhephase folgt.

Eine Darmspiegelung kann durchgeführt werden, wenn die folgenden anhaltenden Beschwerden auftreten:

 

  • Anhaltender Durchfall oder Verstopfung
  • Veränderung der Stuhlgewohnheiten (z.B. Änderung der Stuhlfrequenz oder -konsistenz oder des Stuhldurchmessers)
  • Blut im Stuhl
  • Schleim im Stuhl
  • Lang anhaltende Blähungen
  • Anhaltende Schmerzen im Bauchbereich die keiner äußeren Quelle zugeordnet werden können
  • Starker und unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • Unklare Blutarmut (Anämie)
  • Vorsorgebedarf 
  • Positive Familienanamnese von Darmerkrankungen

 

Neben der Früherkennung des Darmkrebses können durch eine Koloskopie auch diverse andere Krankheiten aufgedeckt werden:

 

  • Divertikulose (Ausstülpungen der Darmwand)
  • Dickdarmpolypen (Vorstufe von Darmkrebs)
  • Darmkrebs
  • Andere Tumoren des Darmes 
  • Engstellen
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Akute Entzündungen und Durchblutungsstörungen der Darmwand
  • Anomalien der Blutgefäße des Darmes

Spülen ist Essentiell: Die Vorbereitung auf Ihre Darmspiegelung

Keywords: Darmspiegelung, Vorsorge, Prävention, Vorbereitung

 

Um dem Arzt ‘Klarsicht in der Röhre’ zu bieten, ist es essentiell, dass der Patient sich bereits einige Tage vor der anstehenden Untersuchung entsprechend vorbereitet. Die Verschmutzung des Darms ist eine der Hauptursachen für ‘falsch negative’, also Falschdiagnosen bei denen die Existenz von Abnormitäten übersehen wird.

 

Es wird empfohlen bereits zwei bis drei Tage vor der Untersuchung auf den Konsum von rohem Gemüse und Obst sowie faserreiche Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte zu verzichten. Gut gekochte Lebensmittel sollten das Zentrum ihrer Vorbereitung bilden. Am Tag vor der Untersuchung beginnt dann die schöne Phase der Vorbereitung: Feste Nahrung darf von nun an und bis zur Untersuchung nicht mehr konsumiert werden. Zusätzlich wird eine Darmspüllösung über den Tag verteilt getrunken, wobei die genaue Anwendung vom jeweiligen Präparat abhängt. Am Morgen des Untersuchungstages muss je nach Zeitpunkt der Untersuchung noch ein Liter Darmspüllösung getrunken werden. Der Stuhlgang sollte dann wässrig klar und nur mehr leicht gelblich gefärbt sein.

 

Trotzdem sind Wasser, Tee und  Kaffee ohne Zucker bis zum Tag vor der Untersuchung erlaubt. Nicht erlaubt sind Milch und Milchprodukte sowie Säfte mit Fruchtfleisch und trübe Fruchtsäfte. 

Sehen Sie die Vorbereitungsphase auf Ihre Darmspiegelung als eine kostenfreie ‘Detox-Kur’ und freuen Sie sich auf das Erlebnis eines befreiend-leichten Gefühls im Nachgang ihrer Untersuchung.


Das Darmmikrobiom und Stress: Review einer Studie zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen neuronalen Stressindikatoren und dem Zustand der Darmmikroorganismen

Keywords: Darmflora, Mikrobiom, Psychologie, HPA-Achse, Wohlbefinden

 

Die Etablierung des Darmmikrobioms in der frühen Entwicklungsphase des Organismus, steht mit den wichtigsten Ereignissen der körperlichen Normalfunktion im frühen Leben in Verbindung. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die normale Entwicklung des Darmmikrobioms mehrere Aspekte der Gehirnfunktion, einschließlich der Reaktion auf Stress, beeinflusst. Um besser zu verstehen, wie das Darmmikrobiom zu einer Anfälligkeit für stressbedingte psychiatrische Störungen beiträgt, untersucht die vorliegende Studie von Miche`le Crumeyrolle-Arias et. al. (2014) die Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom, angstähnlichem Verhalten und Anomalien in der Aktivität der HPA-Achse (Hippocampus - Pituatory Gland - Adrenalin - Achse) bei stresssensitiven Nagetieren (Ratten).

 

Zusammenfassend konnten Hinweise gefunden werden, dass bei stresssensitiven Ratten das Fehlen von Darmmikroorganismen die Verhaltensreaktion auf akuten Stress verschlimmert und die dopaminerge Fluktuationsrate in den oberen Hirnstrukturen, die an der Regulation von Stress und Angst beteiligt sind, fundamental verändert werden. Diese Ergebnisse sind ein weiterer Hinweis für den entscheidenden Einfluss des Darmmikrobioms auf verschiedene Aspekte der Gehirnfunktion. Auf Grundlage dieser Ergebnisse scheint es plausibel zu schlussfolgern, dass die in verschiedenen Lebensabschnitten auftretende Dysbiose des Darmmikrobioms zur Entstehung neuropsychiatrischer Störungen beitragen kann.

 

Genetisch modifizierte, Keimfreie (GF) und spezifisch pathogenfreie (SPF) F344 Ratten wurden zunächst neurologischen Tests unterzogen, um sensomotorische Beeinträchtigungen als Störfaktoren der späteren Analyse auszuschließen. Auf Grund der Keimfreiheit (GF) waren diese Ratten auch von ihrem Darmmikrobiom befreit. Die Ratten waren aus Gründen der Simplifizierung und Interpretationsvereinfachung der Ergebnisse ausschließlich männlich. Anschließend wurden die Verhaltensreaktionen der Ratten auf soziale Interaktion und ‘open-field-tests’ untersucht. Beide Tests sollten der simulation potentieller Stressfaktoren dienen. Die Serumkortikosteron-Konzentrationen, die CRF-mRNA-Expressionsniveaus im Hypothalamus, die Glukokortikoidrezeptor (GR)-mRNA-Expressionsniveaus im Hippokampus und die Monoamin-Konzentrationen im frontalen Kortex, Hippokampus und Striatum wurden bei Ratten verglichen, die entweder dem ‘open-field-tests’ ausgesetzt waren oder nicht. Als Reaktion auf den ‘open-field-tests’ waren die Serumkortikosteronkonzentrationen bei GF 2,8-fach höher als bei SPF-Ratten. Im Vergleich zu den SPF-Ratten zeigten GF-Ratten eine erhöhte CRF mRNA-Expression im Hypothalamus und eine reduzierte GR mRNA-Expression im Hippocampus. Dies deutet auf erhöhte emotionale Aktivität entlang der HPA Achse und geringere explizite Erinnerung (Hippocampus) hin.

 

Zusätzlich zu diesen Ergebnissen ist es wichtig zu beachten ist, dass jede antibiotische Therapie, unabhängig aus welchem wichtigen Grund indiziert, unser Darmmikrobion beeinflussen, beeinträchtigen oder sogar zum Teil zerstörne kann und für zahlreiche Darmfehlfunktionen verantwortlich ist.

 

(nach: Crumeyrolle-Arias, M., Jaglin, M., Bruneau, A., Vancassel, S., Cardona, A., Daugé, V., & Rabot, S. (2014). Absence of the gut microbiota enhances anxiety-like behavior and neuroendocrine response to acute stress in rats. Psychoneuroendocrinology, 42, 207-217.)


Ernährung und ihre Nährstoffe: Eine kurze Übersicht

Keywords: Ernährung, Wohlbefinden, Gesundheit, Nahrung

 

Unser Organismus besteht zu ca. 17 % aus Protein, zu ca. 13 % aus Fett, zu ca. 64 % aus Wasser, zu ca. 5,5 % Mineralstoffen und aus Kohlenhydraten (Glycogen). Die Aufrechterhaltung der lebenserhaltenden Funktionen unseres Organismus erfordert eine regelmäßige Zufuhr dieser Nährstoffe. Sie werden von unserem Körper für Wachstum, körperliche Leistung sowie die Stabilität der Immunabwehr benötigt. Aber nicht alle Nährstoffe sind gleichzeitig Energieträger: Wasser liefert beispielsweise keine Nahrungsenergie, ist aber dennoch überlebensnotwendig. Auch Ballaststoffe liefern prinzipiell keine Energie, sind aber durchaus fördernd in Bezug auf die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen. Aus diesem Grund scheint ein Begriff wie ‘Nahrungsinhaltstoff’ dem Begriff ‘Nährstoff’ ein wenig besser zu umschreiben. Nicht nur der Energiegehalt - also die Kalorie - sondern auch die Qualität eines solchen Inhaltsstoffes ist ein wichtiger Parameter. Für eine ausgewogene Ernährung kommt es besonders auf die Versorgung des Organismus mit sogenannten essentiellen Nahrungsbestandteilen an. Darunter versteht man im allgemeinen Stoffe, die der Körper nicht autonom zu produzieren in der Lage ist, die aber trotzdem essentiell für die Funktion des Organismus sind. Neben den essentiellen Nährstoffen gibt es die sog. nicht essentiellen Inhaltsstoffe. Darunter versteht man das Gegenteil, nämlich Nährstoffe, die sich in ihrer Bedeutung und Wirkung gegenseitig ersetzen können und ggf. vom Körper selbst hergestellt werden oder aus anderen Stoffen gewonnen werden können. 

 

Proteine sind Eiweißstoffe, die dem Aufbau und der Erhaltung der Muskeln und Organe sowie der Erhaltung der Leistungsfähigkeit dienen. Wie qualitativ hochwertig ein Protein ist wird definiert durch die Fähigkeit des Körpers das Protein zu verwerten. Dies hängt nicht nur von der Menge der aufgenommenen Nahrung ab, sondern ist auch abhängig von der biologischen Wertigkeit des Proteins. Die biologische Wertigkeit ist definiert durch den Gehalt des Eiweißes an qualitativ hochwertigen bzw. essentiellen Aminosäuren. Ziele ist es, eine möglichst hohe biologische Gesamtwertigkeit mit der aufgenommenen Nahrung zu erhalten, denn je höher die biologische Wertigkeit eines Nahrungseiweißes, desto geringere Mengen Eiweiß benötigt der Körper, um seine Eiweißbilanz aufrecht zu erhalten und damit generelle Körperfunktionen zu unterstützen. Im Allgemeinen besitzt tierisches Eiweiß eine höhere Wertigkeit als pflanzliches Eiweiß. Auf Grund der Notwendigkeit der Diversifizierung von Aminosäuregruppen, die dem Körper zugeführt werden, wird empfohlen, den täglichen Eiweißbedarf zu 50 % mit tierischen und zu 50 % mit pflanzlichen Eiweißträgern zu decken. Trotz dieser allgemeinen Empfehlungen gibt es viele kritische Studien, die sowohl von einem übermäßigen Konsum von fleischbasierten Eiweißen, sowie dem Konsum von pflanzlichen Eiweißen abraten. Sprechen Sie mich gern auf weitere Hinweise zur ausgewogenen Ernährung an.


Zuckerhaltige Getränke als Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenkrebs: Review nach Schernhammer et. al. (2005)

Keywords: Zucker als Risikofaktor, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Pancreas, Ernährung, Wohlbefinden

 

Zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dies ist das Ergebnis einer ausgedehnten Studie von Schernhammer und ihren Kollegen (2005). Hier die Methoden und Ergebnisse der Studie im kurzen Überblick:

 

  • Teilnehmer: 88,794 Frauen und 49,364 Männer aus dem Kohort der `Nurses’ Health Study` und der `Health Professionals Follow-up Study`
  • Beide Kohorten verfolgen Patienten über einen Zeitraum von 20 Jahren 
  • Alle Teilnehmer haben zum Zeitpunkt des Studienbeginns keine bestehende Krebsdiagnose 
  • 379 Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs wurden während der 20 years follow-up dokumentiert
  • Im Vergleich zu Teilnehmern, die mehr oder weniger keine zuckerhaltigen Soft-Drinks zu sich nahmen, haben solche, die mehr als drei dieser Soft-Drinks pro Woche zu sich genommen haben, ein relatives Risiko (RR) von 1.13 [95% confidence interval (95% CI), 0.81-1.58; P for trend = 0.47]. 

Frauen in der höchsten Kategorie des Soft-Drink Konsums haben ein deutlich erhöhtes Risiko gegenüber denen, die keine Soft-Drinks konsumieren (RR, 1.57; 95% CI, 1.02-2.41; P for trend = 0.05)

 

Für Männer gab es keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Gruppen des zuckerhaltigen Soft-Drink Konsums

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass, trotzdem es keinen Unterschied im Risiko für Bauchspeichedrüsenkrebs für Männer gab, das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs für Frauen durch den Konsum von zuckerhaltigen Getränken innerhalb der 20 jährigen Follow-Up Studie deutlich erhöht ist. Dies deutet darauf hin, dass der Konsum von zuckerhaltigen Getränken ein Faktor sein könnte, auf den in der Prävention und der frühen Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs hingewiesen werden muss. Sprechen Sie mich gern auf Risikofaktoren in Ihrer Ernährung an. 

 

(nach: Schernhammer, E. S., Hu, F. B., Giovannucci, E., Michaud, D. S., Colditz, G. A., Stampfer, M. J., & Fuchs, C. S. (2005). Sugar-sweetened soft drink consumption and risk of pancreatic cancer in two prospective cohorts. Cancer Epidemiology and Prevention Biomarkers, 14(9), 2098-2105.)


‘The devil wears Prada?’: Review einer Analyse der Wichtigkeit von Kleidung und Gesichtsmerkmalen in der intuitiven Formation von ‘ersten Eindrücken’

Keywords: Impressionsbildung, Dominanz, Soziale Dominanz, Soziale Hinweise, Gesichtszüge, Soziale Hierarchie

 

Der Mensch ist täglich mit einer enormen Menge an Informationen konfrontiert, und damit er effektiv arbeiten kann, ohne sein Gehirn einer übermäßigen kognitiven Belastung auszusetzen, ist die Vereinfachung und Kategorisierung von Informationen entscheidend. Um dies zu erreichen, nutzt der Mensch Abkürzungen, um sich ein Bild von Menschen zu machen, das auf mehreren Faktoren beruht. Solomon Asch führte eines der ersten Experimente zum Verständnis der Entstehung von Eindrücken durch. Aschs klassisches Experiment (1946) schlug vor, dass Menschen zentrale und periphere Merkmale in ihrem Eindrucksbildungsprozess nutzen. Ersteres bezieht sich auf die Idee, dass Menschen oft eine Abkürzung nehmen, um einen Persönlichkeitseindruck auf der Grundlage bestimmter Wörter zu bilden, die ein bedeutendes Gewicht haben, wie z.B. "warm" oder "kalt". Letzteres erklärt, dass aufgrund zentraler Eigenschaften, die eine vorherrschende Kraft bei der Einschätzung des Eindrucks einer Person haben, Wörter wie "Höflichkeit" bei der Bildung von Eindrücken über andere nicht vollständig berücksichtigt werden. 

 

Obwohl dieses Experiment in einer nicht alltäglichen Umgebung durchgeführt wurde, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Menschen dazu neigen, ihr inneres Urteilsvermögen zu nutzen, um sich einen Eindruck von anderen zu machen. Darüber hinaus hat die kulturübergreifende Forschung über das letzte Jahrhundert hinweg gezeigt, dass die Gesichtsausdrücke, die verwendet werden, um Ärger, Traurigkeit, Glück, Angst, Überraschung und Ekel zu vermitteln, in allen Kulturen gleich zu sein scheinen, auch wenn der situative Kontext, in dem sie angemessen dargestellt werden, je nach Kultur variiert (Darwin, 1872; Ekman & Friesen, 1971). Morphe Strichzeichnungen von Etcoff und Magee (1992) und Fotografien (Calder, Young, Perret, Etcoff, & Rowland, 1996) wurden verwendet, um die Theorie zu unterstützen, dass der Mensch diskrete Emotionskategorien verwendet, um bestimmte Gesichtsausdrücke zu erkennen. 

 

Über die reine Gesichtsbewertung hinaus deuten Studien darauf hin, dass die Kleidung das dispositionelle Urteil über andere beeinflusst, was über die Aktivierung von Stereotypen geschehen kann (Hamid, 1968; Suedfeld, Bochner, & Matas 1971). Kleidung vermittelt eine enorme Menge an Informationen über den Träger, ohne dass ein Beobachter verbale Informationen benötigt, um sich einen Eindruck zu verschaffen und allgemeine Kenntnisse über den Träger zu erlangen (Howlett, Pine, Orakcioglu, & Fletcher, 2013). 

 

Typischerweise wird die Wahl der Kleidung als eine Darstellung dessen gedacht, was der Träger dem Betrachter vermitteln möchte. In den meisten Studien über Kleidung konzentrierten sich die Forscher darauf, wie die Träger am Arbeitsplatz gesehen werden und welche Kleidungswahl sie professioneller oder sogar autoritärer erscheinen lässt. Die Ergebnisse aus diesem speziellen Fokus sagen fast alle die gleiche Schlussfolgerung, dass die "formellere" Kleidung mit positiven Attributen beim Träger assoziiert wird, während die "legerere" Kleidung mit negativ wahrgenommenen Attributen assoziiert wird (Bell, 1991).

 

In einer Follow-Up Studie zu diesem Thema wurde gefragt, ob Gesichtszüge oder Kleidung in diesem Eindrucksbildungsprozess stärkere Gewichtung finden. Dabei konzentriert sich die Studie auf die Beurteilung von Menschen in den Kategorien "Dominanz" und "soziale Dominanz". Beide Variablen, Gesichter und Kleidung, werden in zwei Gruppen manipuliert: Eine 'männliche' und einen 'weibliche' Gruppe. Die Teilnehmer der Studie haben online Fragebögen ausgefüllt, in denen sie die Dominanz bzw. soziale Dominanz von Menschen auf Fotos bewerten sollten. Für die Studie wurden 50 Teilnehmer rekrutiert.

 

In der Kategorie 'Soziale Dominanz' zeigen die Resultate einen Haupteffekt für Kleidung im Zustand 'Maskuline Gesichtszüge', nicht aber im Zustand 'Feminine Gesichtszüge'. In der Kategorie 'Dominanz' hingegen zeigen die Ergebnisse einen Haupteffekt für Kleidung sowohl im Zustand 'Männliche Gesichtszüge' als auch im Zustand 'Weibliche Gesichtszüge'. Abschließend weisen die Autoren darauf hin, dass die Diskrepanz zwischen 'Sozialer Dominanz' und 'Dominanz' im Hinblick durch die Relevanz von sozial konstruierten ‘Cues’ wie Kleidung in einem nicht-sozialen und sozialen Kontext beeinflusst werden könnte. Alles in allem lässt sich sagen, dass am Beispiel Dominanz festgemacht werden kann, welch eine große Rolle kleine Faktoren auf die intuitive Impressionsformation des Menschen haben können.

 

(nach: Kleinau, F.; Gording, T.; Jousset, O.; Kessler, L.; & Suzuki, Y. (2019). Face or Outfit: Exploring the Hierarchy of Salience in Impression Formation. Unpublished Working Paper)